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Cutting-Champion Lock up the Judge - „ Lucky“ – lebt nicht mehr

Quelle: Westerninfo - vom 19.06.2013



Marl/Westf. Im Alter von 23 Jahren musste krankheitsbedingt eines der erfolgreichen Cuttingpferde Europas eingeschläfert werden. Für Besitzer Jürgen Döring ein trauriger Augenblick: „Lucky war für mich nicht nur irgendein Pferd, sie war für mich ein vierbeiniger Kamerad. Ihr habe ich sportlich ganz viel zu verdanken. Lucky litt an einer nicht heilbaren Allergie. Obwohl wir alle möglichen Therapien versucht haben, konnten wir ihr leider nicht mehr helfen. Auch wenn diese Entscheidung schwer war, sie einschläfern zu lassen, war es für das Pferd eine Erlösung.“

Am 25. Mai 1990 kam Lucky auf der Ranch von Susie Wilson in Pattison/Texas auf die Welt, unter der Registrationsnummer 2 958 522 wurde die Stute bei der American Quarter Horse Association (AQHA) eingetragen. Jürgen Döring entdeckte 1992 die Enkelin der legendären Erfolgsvererber Doc Bar (Vaterseite) und Colonel Freckles (Mutterseite) durch einen Zufall bei einem USA-Aufenthalt. „Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick, ich sah sie und wusste, das wird mein Pferd. Besonders gefiel mir ihr dicker Popo. Ja, so war das“, so die Erinnerung von Döring, der sich weiter erinnert, „1992 war ich auf der Suche nach einem Cutter und hatte auch konkrete Vorstellungen. Es sollte auf jeden Fall ein Pferd aus einer Foundation-Linie sein. Und Lucky brachte alles mit, besonders fiel mir damals ihr cooles Verhalten auf der Weide auf.“

Grundschule bei Top-Trainer Dell Bell
Die Grundausbildung erhielt Lock up the Judge beim texanischen Profitrainer Eugene (Dell) Bell, der ihr schon nach einigen Wochen Training eine außerordentliche Begabung bescheinigte: „Im Laufe meiner Trainerlaufbahn habe ich viele Cuttingpferde ausgebildet und trainiert. Ohne Übertreibung konnte ich damals sagen, dass die Stute von Jürgen sehr viel Vermögen mit brachte, sie war sehr kooperativ und stets arbeitsfreudig. Ein gutes, verlässliches und ehrliches Pferd. Noch zu erwähnen ist, dass Jürgen mir Zeit für die Ausbildung gab, er wollte kein schnelles Turnierpferd haben. Solche Aussagen hört man nicht jeden Tag.“

Lock up the Judge trat Anfang 1994 die Reise nach Deutschland an und hatte erst einmal einige Wochen Zeit, um sich im westfälischen Marl einzuleben. Auch diese Einstellung gehört zu Dörings Trainingsprogramm: „Mit Lucky hatte ich gewisse Pläne, zudem mussten wir uns auch aneinander gewöhnen. So etwas dauert nun mal eine gewisse Zeit, in der einfach Geduld erforderlich ist.“

Dass dieser Weg richtig war, zeigte sich 1995. Aachen war die erste Show, auf der Lucky international debütierte. Die Erfolgsschleife mit dem Aufdruck „Vice European Champion Cutting“ hat bei Dörings einen besonderen Ehrenplatz gefunden. Viele weitere Erfolge, national und international, folgten in den kommenden Jahren. Es gab keine große Show mit internationaler Konkurrenz, in der das Reiterpaar Lucky/Döring nicht mit einem Gewinn oder einem vorderen Rang geehrt wurden.

„Für Geld nicht zu verkaufen ...“
Jürgen Döring gewann mit Lock up the Judge in Europa alles was es in den aktiven Sportjahren der Stute zu gewinnen gab. Er hatte in all den Jahren eine hohe Meinung von ihrem Leistungspotential, das Mitte Dezember 2001 durch den „Open Superior Cutting“ -Titel der AQHA so zusagen „amtlich“ bestätigt wurde: „Wenn wir in der Showarena sind, habe ich das Gefühl, dass sie alles für mich gibt. Vor jedem Run rede ich mit ihr und das scheint ihr zu gefallen. Sie ist für mich in jeder Beziehung ein Ausnahmepferd. Ich muss nicht extra erwähnen, dass sie unverkäuflich ist, obwohl jemand aus Österreich 250.000 DM für die Stute geboten hatte. Ich habe zu der Dame gesagt, dass Lucky für Geld nicht zu verkaufen sei. Mein Freund Klaus Balkenhohl sagte mir einmal: Jeder Reiter hat im Leben nur ein gutes Pferd. Und er als Olympiamannschaftsgewinner in der Dressur muss es wissen.“

„... ein besseres Pferd finde ich nicht ...“
Wie sehr Döring seine Superior-Stute schätzte, wurde in seiner Trainingsphilosophie deutlich: „Lucky ist ein sehr gutes Pferd, ein besseres finde ich bestimmt nicht mehr. Im Stall habe ich vielleicht brave Pferde aber nicht die Klasse von Lucky. Im Training wird immer so viel gemacht wie es dem Pferd Spaß macht. Merke ich, dass das Pferd nicht mit hundert Prozent dabei ist, höre ich auf. Und wenn das Training nach zwei Minuten gut war, dann ist es auch gut, dann wird aufgehört. Es gibt auch Tage, da steige ich nach zwei Minuten wieder ab, wenn ich merke, es wird heute nichts.“

Eine der Sternstunden für Jürgen Döring war der Titelsieg im Senior Cutting bei der Quarter Horse 2001, wo seine Erfolgsstute einen Score von 77 Punkten bei einem Richter holte: „Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut, aber bei aller sportlichen Einstellung war diese Bewertung sehr gut gemeint. Das käme einer S-Dressurnote von 8,5 gleich.“

Info: AQHA Superior Horse ...
... wird in der offenen Klasse an jeden Hengst, Wallach oder jede Stute, oder in den Amateur- und Jugendklassen, an jeden Bewerber und sein Pferd vergeben. Vorausgesetzt, dieses Pferd hat 50 oder mehr Punkte auf einem anerkannten Turnier erzielt - außer für den Titel des AQHA Superior Racehorse, für den 200 Punkte erforderlich sind. Ein Pferd erhält diesen Titel für jede einzelne Disziplin, in der es 50 Punkte erzielt hat oder 200 Punkte, wenn es sich um Rennen handelt. In Halterklassen müssen mindestens 25 dieser Punkte in dem Jahr erzielt worden sein, in dem das Pferd zweijährig oder älter gestartet war.

Quelle: Raimund Hesse
www.pferdesportzeitung.de